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Irgendwie alles anders...

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Wotan
Welpe
Welpe


Anmeldedatum: 30.12.2008
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 30.12.2008, 23:13 Nach oben

Hallo!
Ich habe seit ca.6 Wochen einen kleinen Labrador-Bernersennen Mischling. Er ist jetzt 11 Wochen alt, habe ihn mit 5 1/2 Wochen bekommen.
Es gibt im Moment viele Probleme und Dinge die ich mir einfach anders vorgestellt habe.

1. Habe ich ihn meiner Meinung nach zu früh abholen müssen. Hätte ihn lieber später bekommen.

2. Er ist immer noch nicht richtig Stubenrein, was aber weniger problematisch ist. 1- 2 Mal am Tag und vielleicht 1 Mal in der Nacht passiert noch ein kleines Missgeschick. Aber das Geschäft macht er schon fein draußen.

3. Er beißt alles und jeden. Habe aber das Gefühl, dass es keine normales Spielen ist. Er bellt und Knurrt dabei auch sehr laut und auch das Beißen ist eher häftig als normal. Das versuchen wir mit ignorieren, "aus" sagen und wegstoßen zu unterbinden.

4. Er "rammelt" alles und jeden und das schon seit er 9 Wochen alt ist. Bei Menschen und anderen Tieren unterbinde ich es schon, weiß aber nicht ob das richtig ist und ob ich es auch bei seinen Kuscheltieren unterbinden soll.

Habe schon in einigen Büchern geschaut, aber noch nicht das Richtige gefunden. Ist das alles noch normal bei einem Rüden in dem Alter oder habe ich da zu viel falsch gemacht?

Danke schon einmal für die Antworten
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Verfasst am: Nach oben

Blackandwhite
Hunde Teenie
Hunde Teenie


Anmeldedatum: 22.06.2008
Beiträge: 402

BeitragVerfasst am: 31.12.2008, 00:04 Nach oben

Zitat:
Ist das alles noch normal bei einem Rüden in dem Alter oder habe ich da zu viel falsch gemacht?


Bis zu einem gewissen Maß ist es normal, im Spiel werden Grenzen gesetzt. Aber ich fürchte, dass bei deinem Welpen ganz massiv die spielerischen Auseinandersetzungen mit seinen Geschwistern fehlt.

Dabei lernen die Welpen z.B. nicht zu fest zuzubeißen - denn beißt ein Welpe den anderen mal zu fest, wird die Retourkutsche sofort kommen. Sowas können wir Menschen nur sehr bedingt simulieren, eigentlich aber nicht wirklich in einem ausreichenden Maße.

Sie lernen auch, dass man nicht immer alles gleich bekommt was man will, manchmal es auch gar nicht bekommt. z.B. an der mütterlichen Milchbar wo ein anderer stärker oder schneller war, oder bei tollen Spielzeugen, die dummerweise ein anderer zuerst entdeckt hat, oder am Futternapf, wo eben zuviele Köpfe nicht auf einmal reinpassen,...

Sie lernen auch, dass man nicht immer gewinnt. Bei Raufereien wird immer mal ein anderer als Gewinner hervorgehen, das ist auch mal ganz heilsam für angehende "Macker". Wink

Was auch fehlt, ist das Erlernen von hundlicher Kommunikation. Welpen führen arttypische Gesten stark überzeichnet aus, wie es z.B. im Spiel auch unter erwachsenen Hunden üblich ist. Sie fordern sich zum Spielen auf, rennen voreinander weg, raufen, drohen sich, beschwichtigen sich. Dazu kommt die Interaktion und Kommunikation mit erwachsenen Hunden, eben auch der Mutter.

Was also nun nicht richtig ausgebildet wird, sind
die Frustrationstoleranz
innerartliche Kommunikation
Kontrolle von eigenem Verhalten z.B. beim spielerischen Beißen

Hunde, die zu früh von Mutter und Geschwistern getrennt werden oder als Einzelwelpen aufwachsen, sind häufig arme Tröpfe. Sie denken, sie wären Krösus, Alleinherrscher, die alles können und immer gewinnen. Die alles haben können und nie teilen müssen. Das Leben für diese Hunde ist nicht leicht, und das Leben mit ihnen auch nicht.
Leider ist schon sehr viel Zeit vergangen, in der dein Welpe wichtige Erfahrungen hätte sammeln müssen. Aber alles ist noch nicht verloren. Suche dir bitte sofort eine wirklich richtig gute Welpenstunde, in der der Hund nicht nur kontrollierten (!) Kontakt zu anderen Welpen bekommt, sondern auch mit friedlichen erwachsenen Hunden zusammenkommt.

Aber: einmal die Woche Welpenstunde wird nicht ausreichen, um das versäumte aufzuholen - jeden Tag wäre besser. Wenn sich das für dich finanziell nicht machen lässt, dann geh wenigstens einmal die Woche zur Welpenstunde und bitte die anderen Welpenbesitzer von Welpen die mit deinem etwa gleichstark (!) sind, sich nach Möglichkeit täglich auf ein Treffen einzulassen. Lasst aber bei privaten Treffen nicht zu, dass ein Hund (oder schlimmer noch: eine Gruppe von Hunden) immer nur einen oder andere drangsaliert und mobbt. Wenn ein Welpe signalisiert, dass ihm das derzeitige Spiel keinen Spaß mehr macht, die anderen ihn aber nicht ernst nehmen, dann müsst ihr eingreifen!

Vielleicht gibt es ja auch einen Züchter in deiner Nähe von Hunden etwa gleicher Größe wie es deiner einmal sein wird, mit Welpen, die nun auch in etwa dem Alter deines Welpen sind - wenn du ihn dort jeden Tag 2 oder 3 Stunden hingeben könntest für gemeinsames Spielen, Fressen, Schlafen (vorausgesetzt, deiner und die Welpen dort sind grundimmunisiert mit Ausnahme von Tollwut, und vorausgesetzt, die Althunde tolerieren den temporären Zuwachs), wäre das Gold wert.

Was die Stubenreinheit angeht: das ist das geringste Problem, und klingt total normal, sogar schon sehr gut, wie du es beschreibst. Ein Welpe kann im Normalfall erst ab ca 16 Wochen seinen Schließmuskel so wirklich kontrollieren, Missgeschicke gehören darum einfach dazu. Kommentarlos entfernen, und warten, dass der Hund älter wird Wink

Zum Beißen und Knurren habe ich oben ja viel geschrieben. Es fällt in eine Mischung aus "keine ausreichende Frustrationstoleranz (z.B. alles mit Beißen durchsetzen wollen) und kein weicher Fang (d.h. hat nicht gelernt zu kontrollieren, wie fest er zubeißen darf).

Allerdings fällt auch nicht jedes Beißen darunter, denn ab dem etwa 4. Monat sollte der Zahnwechsel einsetzen, dabei juckt und schmerzt der Kiefer. Häufig beginnen die Welpen in der Zeit wie verrückt auf so ziemlich allem herumzukauen.

Zum Rammeln: unter Welpen wäre es ein absolut normaler Teil des Spiels, mal wäre der eine oben, dann der andere, wird es einem Welpen zu bunt, bekommt der andere eins "auf die Rübe". Auch hier würde der Welpen mit seinen Geschwistern zusammen lernen, wie weit er gehen kann, was akzeptabel ist, was zu heftig wird. Er würde seine eigenen Stärken und Schwächen besser einschätzen lernen.
Sein Kuscheltier ist ein unzureichender Ersatz für diese wertvollen Lernerfahrungen.
Mit Sexualtrieb hat das Verhalten erstmal noch nichts zu tun. Aufreiten gehört zum normalen Programm, wenn "Machtpositionen" zwischen 2 Hunden abgecheckt werden, bei Welpen läuft das alles noch - wie erwähnt - spielerisch ab.

Aber auch hier eine Einschränkung: wenn dein Welpe gerade sehr aufgeregt ist evtl weil ihr viel getobt habt, oder weil es gerade draußen sehr spannend war, dann kann das Aufreiten auch eine Art von Stressbewältigung sein, beim Menschen würde ich es dennoch nicht tolerieren, was du ja auch nicht tust. Aber man sollte eben ein wenig differenzieren, ob es eine Stressreaktion ist, oder um "abzuchecken".

2 sehr empfehlenswerte Bücher, um deinen Hund besser zu verstehen:
Patricia B. McConnell -
"Liebst du mich auch?: Die Gefühlswelt bei Mensch und Hund"
Patricia B. McConnell -
"Das andere Ende der Leine: Was unseren Umgang mit Hunden bestimmt"

Beide sind unterhaltsam geschrieben, dadurch aber nicht minder wertvoll was ihren Inhalt angeht.
Ich halte beide für unverzichtbar, wenn man mehr über den Hund, den Menschen im Zusammenspiel mit dem Hund, und die Art, wie "Hunde ticken" lernen möchte.
Und ich möchte dir dringend ans Herz legen, dass du über deinen Hund, der keinen idealen Start ins Leben hatte, möglichst viel lernst. Denn Wissen ist Macht, beugt Ungerechtigkeit und Missverständnissen, die Hund und Mensch unglücklich machen, vor, und bereichert das Zusammenleben ungemein.
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Wotan
Welpe
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Anmeldedatum: 30.12.2008
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 31.12.2008, 16:16 Nach oben

Vielen Dank schon einmal. Ich werde mich mal nach den Büchern umschauen.
Hier bei uns in der nähe befindet sich leider nur 1 Züchter, zu dem ich meinen Hund nicht unbedingt geben würde und ihn auch nicht gemeinsam Besuchen möchte. Ich bin der Meinung, dass dort die Tiere nicht gut gehalten werden und auch die Rasse sehe ich als Problematisch mit der Zusammensetzung von Besitzer und Tier.
Eine Welpenspielgruppe habe ich mir schon ausgesucht, werde dort auch ab nächten Jahr hingehen. Konnte vorher noch nicht, da diese alle Impfungen, Entwurmung etc. vorraussetzt und der kleine erst vor einer Woche geimpft werden konnte Sad .
Ich habe eine Bekannte mit einem Border-Collie Mischling, ist zwar nicht die passende Größe, aber die beiden spielen fast jede Woche 1 Mal zusammen. Außerdem haben wir noch einen 2. Hund im Haus. Diese ist aber keine große Bereicherung für den kleinen. Abgesehen von Ignoranz bekommt der kleine von ihr nicht. Kann mir aber auch vorstellen, dass ihm das gewissermaßen auch gut tun kann.
Das Rammeln hat bei mir zum größten Teil aufgehört, aber bei allen anderen ist es noch vorhanden und ich tippe darauf, dass er es macht um "abzuchecken".
Wenn er mit mir spielt und mich zu sehr beißt, kneife ich ihm in die Leftze. Manchmal klappt es und er wird vorsichtiger.
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oskar
Welpe
Welpe


Anmeldedatum: 04.01.2009
Beiträge: 5
Wohnort: Gumpelstadt

BeitragVerfasst am: 04.01.2009, 13:46 Nach oben

Wir hane bei unserem Hund die Erfahrung gemacht das wir das "rammeln" auf seinem Spielkissen zulassen und bei Menschen unterbinden. Hat etwas gedauert aber es klappt jetzt in 90 Prozent der Fälle ganz gut
Gruß Daniela
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